Teil I hat erklärt, was Instagram ist und wie man es sicher nutzt. Teil II ist direkter — er erklärt, was es bedeutet, es nicht zu haben.
Sozialer Ausschluss ist kein Pech. Er ist laut Forschung psychologisch so schmerzhaft wie eine körperliche Verletzung. Das ist keine Übertreibung.
In Teil I ging es darum, was Instagram ist und wie es sicher genutzt werden kann. Hier geht es um etwas anderes: Was passiert mir, wenn ich es nicht habe? Die Antwort ist unangenehmer als ihr denkt.
Instagram ist die primäre Kommunikationsplattform meiner Altersgruppe. Kein Zugang bedeutet aktiver sozialer Ausschluss — nicht eine verpasste Chance.
1 · Psychologischer Schaden durch sozialen Ausschluss. 2 · Informationslücke: was die Klasse weiß, was ich nicht weiß.
Eine WhatsApp-Gruppe, ein Kanal, ein Netzwerk. Alle teilen dort Infos, Witze, Pläne — ihr bekommt nichts davon mit. Wie würdet ihr euch fühlen?
Merkt euch eure Antwort — sie kommt am Ende wieder.
Nachrichten aus der Arbeit, was Freunde machen, was in der Welt passiert — wie viel davon wollt ihr mitbekommen?
Das ist keine Metapher. Das ist Hirnforschung.
"Soziale Ablehnung aktiviert dieselben Hirnregionen wie körperlicher Schmerz — die Betroffenen erleben es neurobiologisch nicht anders als eine Verletzung."
— Naomi Eisenberger, UCLA · Science, 2003In der berühmten "Cyberball"-Studie wurden Probanden beim Ballspiel ausgeschlossen — selbst wenn sie wussten, dass die anderen Spieler nur Computer waren, reagierten sie mit nachweisbarem emotionalen Schmerz.
Im Teenageralter sind Gehirnregionen für soziale Zugehörigkeit besonders aktiv. Ausschluss in dieser Phase hat nachweislich langfristigere Auswirkungen als im Erwachsenenalter.
Das klingt dramatisch. Aber folgt mir kurz durch einen normalen Schultag ohne Instagram:
Alle lachen über etwas, das gestern auf Instagram gepostet wurde. Ich weiß nicht, was. Ich frage nach. Jemand zeigt mir's kurz. Ich bin diejenige/derjenige, der immer nachfragen muss.
"Hast du die Story von X gesehen?" — Nein. "Schau mal sein Reel!" — Kann ich nicht. Das Gespräch läuft ohne mich weiter. Ich stehe daneben.
Eine Verabredung wird über eine Instagram-Gruppe geplant. Ich bin nicht in der Gruppe. Ich erfahre davon zufällig — oder gar nicht.
Ich könnte YouTube schauen. Aber ich kann nicht sehen, was meine Freunde gerade machen — und sie sehen nicht, dass ich existiere.
Das ist kein Einzeltag. Das ist jeder Tag.
Instagram ist kein Spaßkanal mehr — es ist ein Informationskanal. Was dort geteilt wird, landet nicht mehr in WhatsApp-Gruppen oder per SMS.
Quelle: Pew Research Center, News Consumption Survey 2024
Verabredungen, Gruppenaktivitäten, Schulinfos, private Witze zwischen Freunden — das wird nicht mehr per SMS verschickt. Wer nicht dabei ist, erfährt es nicht.
Wenn man dauerhaft der einzige in der Gruppe ist, der eine Information nicht hatte, ist das kein Zufall. Es ist strukturelle Ausgrenzung — ohne dass irgendjemand es absichtlich tut.
Ihr lest täglich Nachrichten, habt WhatsApp, schaut YouTube — weil ihr informiert und verbunden sein wollt. Das ist dasselbe Bedürfnis, das ich habe. Nur die Plattform ist für meine Generation eine andere.
Ihr lest Nachrichten → ich lese Instagram-Posts meiner Peers.
Ihr seid in WhatsApp-Gruppen mit Freunden → ich sollte in Instagram-Gruppen sein.
Ihr wollt wissen, was in der Welt passiert → ich will wissen, was in meinem Umfeld passiert.
Das Bedürfnis ist dasselbe. Wenn ihr es bei euch als selbstverständlich betrachtet — warum nicht bei mir?
Ihr habt mir erklärt, warum ihr Nein sagt. Aber ich habe euch jetzt gezeigt, was dieses Nein für mich konkret bedeutet — nicht als Meinung, sondern mit Forschung und Beispielen.
„Wenn ein Mensch von [...] Zugehörigkeit abgeschnitten wird, leidet er — so wie er hungert oder friert."
— Abraham MaslowIch bitte nicht um blinden Glauben. Ich bitte um eine Chance, euch zu zeigen, dass ihr mir vertrauen könnt.